Weitere Erscheinungsformen

 

Neben den klassischen Ess-Störungen wie Magersucht, Bulimie und Ess-Sucht gibt es verschiedene Formen gestörten Ess-Verhaltens, v.a. in der Presse tauchen immer wieder neue Begrifflichkeiten auf. Wir möchten hier einige wenige erläutern, die aktuell in den Fokus geraten. Im Einzelfall ist es wichtig sich fachkundige Hilfe zu holen, die eine entsprechende Diagnostik vornehmen kann

Adipositas     Orthorexie     Biggerexie

Dickleibigkeit (Adipositas) 

Adipositas zählt nicht zu den Ess-Störungen. Es kann die Folge einer Ess-Störung sein aber nicht jede(r) Übergewichtige(r) hat eine Ess-Störung.

Bei Übergewichtigen und ihren Familien wird Essen häufig als Belohnung eingesetzt. Bei einem Teil der Übergewichtigen tragen neben genetischen Faktoren psychische Faktoren zur Entstehung eines krankhaften Übergewichtes bei. Von einer Adipositas im Sinne einer Krankheit spricht man, wenn die Lebensqualität durch das Übergewicht stark beeinträchtigt wird und die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme verloren geht, außerdem das Thema Gewicht und Gewichtskontrolle ständig die Gedanken beherrscht.

 Die Adipositas ist gekennzeichnet durch:

  • Überschuss an Körperfett
  • Übergewicht aufgrund übermäßigen Essens als Reaktion auf belastende Ereignisse oder Zustände
  • zum Teil als eine übersteigert wahrgenommene Über- oder Unterschätzung der Körpermaße
  • eventuell erhöhte Empfindlichkeit hinsichtlich Erscheinungsbild und Mangel an Selbstvertrauen

Die Betroffenen meiden nicht selten körperliche Aktivitäten oder sportliche Betätigungen.  Sie essen häufig schnell und wenig genussvoll und verzehren regelmäßig übermäßig große Portionen fettreicher Nahrung und Süßigkeiten.

Folgen der Adipositas:

Seelische Folgen

Körperliche Folgeschäden

z.B. hoher Blutdruck, Überbelastung des Herzens, Schlafapnoe (Atempausen), Diabetes (Zuckerkrankheit), Abszessbildung, Wundheilungsstörung, Gelenkverschleiß, Bandscheibenvorfälle, Überlastungssyndrome, Impotenz, Zyklusstörung

Sonstige Folgen

z.B. sozialer Rückzug, Fehlen spaßmachender Aktivitäten, Einschränkung sozialer Fertigkeiten, Essen als Problembewältigungsversuche, Bewegungsmangel

Orthorexie

 

Orthorexie bezeichnet den Zwang extrem „gesund“ zu leben, mit einer Fixierung auf gesundes Essen und Sport.

Es handelt sich hierbei nicht um eine Essstörung, sie kann aber ein Vorbote von einer Magersucht oder anderen Essstörung sein.

 

Orthorexie ist gekennzeichnet durch:

  • Ständige gedankliche Beschäftigung mit Essen und Essenszubereitung
  • Einteilung in „gute“ und „schlechte“ Lebensmittel, schlechtes Gewissen und Schuldgefühle beim Verzehr von „verbotenem“ Essen
  • Zwanghafter Bewegungsdrang
  • Folgen:

Soziale Folgen:

Sozialer Rückzug ; Versuch andere zu einer ähnlichen Lebensführung zu „bekehren“, Essen in Gesellschaft nicht mehr möglich

Körperliche Folgen: 

schneller Gewichtsverlust, unter Umständen bis hin zu Mangelerscheinungen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit und einer eingeschränkter Leistungsfähigkeit

Seelische Folgen

nicht näher einzugrenzen

Biggerexie

Biggerexie ist eine „Muskelsucht“ bei Jungen. Sie ist mit einer Störung der Selbstwahrnehmung verbunden, da Betroffene sich selbst als eher schmächtig einschätzen obwohl sie meist schon deutliche Muskeln aufweisen.

Es gibt einen Trainingsplan der zwanghaft eingehalten wird, während Freunde, Schule und Freizeitaktivitäten  untergeordnet werden. Häufig werden zusätzlich Anabolika oder andere Muskelaufbauprodukte eingenommen um den Muskelaufbau zu beschleunigen.

Biggerexie ist gekennzeichnet durch:

  • Selbstwahrnehmung als zu schmächtig bei einem hohen Muskelanteil
  • Zwanghaftes Einhalten eines strengen Trainingplans
  • Steigerung des Muskelaufbaus durch Einnahme von Anabolika und anderen Muskelaufbaumitteln
  • Ständige Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, sich nie leicht bekleidet zeigen

Folgen:

Soziale Folgen:

Sozialer Rückzug

Gesundheitliche Folgen:

Erhöhter Ruhepuls, orthostatische Probleme, Schlafstörungen, Antriebstörungen, Verletzungen etc.